Porträt Arthur Heilmann

07.03.1999

Wirklich sein

von Arthur Heilmann

Die Sonntagspredigt vom 7. März 1999

Arthur Heilmann (Theologe):

    Wirklich sein
     
          Oh Gott, rief sie,
          ich wußte nie, was
          es heißt, wirklich zu sein
          Ich hielt dies alles für einen Scherz
          Nie ließ ich das Entsetzen oder
          die Süße & die Würde
          in mein Bewußtsein dringen
          (Jim Morrison/Wildnis)
           
           
    Liebe Freunde,

    Was ist das - wirklich sein? Wir sind doch wirklich. Wir sind doch wirklich hier. Auf dieser Welt. Mit einem wirklichen Körper und einem wirklichen Geist. Das alles ist wirklich brauchbares Rüstzeug für...diese sonderbare Wirklichkeit, von der wir nicht wissen ob sie wirklich ist.  Also was ist wirklich? Fragen wir uns. Manchmal dämmert ein Schein von Wirklichkeit in unser verträumtes Dasein. Oder war es der Schatten des Traums der in unsere düstere Wirklichkeit strahlte? Aber es ist doch unser Leben. Sagen wir. Das muß doch wirklich sein. Das ist doch kein unwirkliches Leben. Nicht wahr? So ein Leben ist die Wirklichkeit. Oder zumindest hören und lesen wir es überall. Die Realität schlägt uns aus Zeitung und Fernsehen entgegen. Aber ist das wirklich für uns, was wir lesen, hören und sehen? Ist das ein wirkliches Leben das andere Menschen führen? Uns kommt es vielleicht wirklich vor. Es steht ja so in der Zeitung. Also muß es doch so sein. Oder es muß einen Geschmack davon geben, sonst würde man keine Sehnsucht danach haben. Aber unser eigenes Leben? Ist das wirklich? Oder wie soll es aussehen, um wirklich zu sein?
    Wenn etwas wirklich ist, wie stellen wir das fest? Es fühlt sich wirklich an. Es fühlt sich lebendig an. Es strahlt. Es ist traurig. Es pulsiert irgendwie. Wir machen uns keine Gedanken um seine Wirklichkeit. In dem Moment ist es einfach. Es ist wirklich weil es ist. Weil wir es so fühlen. Also es faßt sich so wirklich an. Eine wirkliche Hand faßt eine andere Hand wirklich an. Das ist das wirkliche Leben.
    Aber was macht unser Leben so unwirklich? Daß wir überhaupt fragen müßen nach der Wirklichkeit? Wenn wir sagen es fühlt sich wirklich an, dann scheint es etwas zu geben das sich unwirklich anfühlt. Also das echte, das wirkliche Leben gegen das unechte, das unwirkliche Leben. Und wir denken. Es gibt Menschen die ein wirkliches Leben führen, das voll ist und reich an Facetten. Und es gibt Menschen wie wir, die ein unwirkliches Leben führen, das zu arm ist zu farblos. Dem einfach etwas fehlt. Das Lebendige. Das Wirkliche eben. So stehen wir da wie am Anfang und wir fragen uns. Was ist zu tun um unser Leben wirklich zu machen? Interessante Frage. Stellen wir fest. Was ist zu tun? Liebe Freunde. Wer entscheidet was Ihr als wirklich empfindet? Seid Ihr es oder sind es die anderen? Wir alle kennen wirklichen Schmerz und wirkliche Freude. Wir haben den Schmerz nicht vermieden und die Freude erblühen lassen. Das war es was wir getan haben, um unser Leben wirklich zu machen. Wir haben gefühlt was zu fühlen war in diesen Momenten. Und das können wir jederzeit tun. Das ist es was zu tun ist. So erschaffen wir unsere Wirklichkeit. Ohne sie zu bewerten. Nicht - wie soll ich mich hier fühlen? - sondern - wie fühle ich mich tatsächlich. Das ist das wirkliche Leben. In Süße & Würde.